Schüler und Lehrer kennen das Problem. Immer wieder kommt es vor, dass man Computer im Unterricht einsetzen möchte, aber dann scheitert es an der schlechten Ausstattung der Schule.
veraltete Hard-und Software
Oft sind Schulen nur begrenzt mit Computern ausgestattet und auch die sind meist veraltet. Computer die älter sind als 5 Jahre sind keine Seltenheit. Und da meistens die günstigsten Computer angeschafft wurden, sind diese nach 5 Jahren quasi nicht mehr zu gebrauchen. Für aktuelle Software sind die Computer zu langsam, veraltete Software ist auf der Tagesordnung.
Aus meinen persönlichen Erfahrungen, sowohl früher als Schüler, wie auch jetzt als AG-Leiter und Vertretungslehrer, kann ich nur sagen, dass ich öfters mit Fluchen beschäftigt bin als mit irgendetwas anderem.
Die Schulen die ich kenne arbeiten bis auf eine Ausnahme mit reinen Windows Systemen, sowohl was die Computer für Schüler und Lehrer angeht, als auch die Server dahinter. Und natürlich haben die Computer kein aktuelles Windows installiert, sondern noch ein altes Windows XP oder 2000.
Grund für die veraltete Hardware ist einerseits das Budget der Schulen. Kaum eine Schule kann es sich leisten, sich regelmäßig neue Computer zu kaufen. Und wenn eine Schule neue Computer bekommt, dann kann sich die Schule nicht das aktuelle Spitzenmodell kaufen, sondern nur das low prize Gerät, dass nach 5 Jahren natürlich mehr als veraltet ist. Und dazu kommt noch, dass die Schulen in den wenigsten Fällen selbst entscheiden können, meistens wird von der Stadt oder dem jeweiligen Schulamt entschieden, welche Hardware angeschafft wird. Und die Leute die dort die Entscheidung treffen haben selten mehr als reines Anwenderwissen im Bezug zum Computer. Und bei Beträgen höher X muss eine öffentliche Ausschreibung stattfinden und hier gewinnt natürlich der mit dem günstigsten Angebot – und der schlechtesten Hardware.
Leider herrscht bei den Behörden nach wie vor die Meinung, dass Windows das System der Wahl sei. Dabei könnte man eine ganze Menge Geld sparen, würde man einfach auf ein Linux umsteigen – das gibt es kostenlos. Ganz davon abgesehen, dass Linux meistens mit weniger Resourcen zufrieden ist als Windows. Ganz davon abgesehen ist die Wartung von Linux Systemen deutlich angenehmer und günstiger.
Technischer Ansprechpartner?
Und damit sind wir auch gleich schon beim nächsten Punkt. In den wenigsten Schulen gibt es eine Person, die für die Wartung der Computer zuständig ist und die sich damit auch auskennt. Oft wird diese Aufgabe auf einen Lehrer abgewälzt, der hierzu eine zusätzliche Wochenstunde (45 Minute) bekommt. Einerseits haben diese Lehrer oft wenig bis keine Erfahrung, um diese Aufgabe sinnvoll zu erfüllen. Und 45 Minuten pro Woche sind ein absoluter Witz. Damit kommt man einfach nicht hin! Und auch in den wenigen Schulen in denen es einen sog. Technischen Assistenten gibt, ist die Situation nicht besser. Die meisten dieser Technischen Assistenen kommen noch aus einer Zeit, in der es noch keine Computer in Schulen gab. Sie sind in der Lage Kopierer und Overhead Projektoren zu reparieren, aber bei Computern versagen sie (leider).
Eigener Benutzer?
In manchen Schulen hat jeder Schüler seinen eigenen Benutzeraccount. Man kann sich von jedem beliebigen Computer einloggen und immer auf seine Daten zugreifen. Die werden im Netzwerk gespeichert, meistens mit einem Limit, damit nicht ein einzelner Benutzer den kompletten verfügbaren Speicher belegt.
Aber es gibt auch viele Schulen, in denen es genau einen Benutzeraccount für alle Schüler gibt. Der heißt dann “schueler” mit einem ebenso einfallslosen Passwort. Manchmal ist der Benutzeraccount über eine Domäne verfügbar, manchmal auch nur lokal. Aber eine Eigenschaft haben beide gemeinsam: Man kann keine Daten speichern. Die einzige Möglichkeit seine Daten aufzubewahren ist der mitgebrachte USB Stick. Dazu muss man erstmal unter den Tisch kriechen, denn die alten Computer haben vorne meistens keinen USB Port. Und manchmal kann man “aus Sicherheitsgründen” keine USB Geräte an den Computer anschließen. Die einzige Möglichkeit die bleibt ist sich die Daten via eMail zu schicken – eine sehr langsame und unkomfortable Lösung.
An solchen Computern kann man nicht arbeiten! Egal ob als Schüler oder Lehrer, wenn man am Computer arbeitet, dann arbeitet man mit Daten. Wenn man diese nicht speichern kann um zu einem späteren Zeitpunkt wieder darauf zugreifen zu können, dann hat es keinen Sinn überhaupt anzufangen.
Oft werden die Computer auch durch sog. Wächterkarten überwacht. Diese spezielle Hardware setzt den Computer bei jedem Start auf vorher definierte Standarteinstellungen zurück. Nervig und meist unnötig. Es gäbe andere Möglichkeiten (siehe unten).
Privacy
In Frankfurt kommt zu allem Überfluss noch dazu, dass die Schulen über das Stadtnetz mit dem Internet verbunden sind. Und das Stadtnetz ist gelinde gesagt ein Ärgernis.
Die einzige Möglichkeit über das Stadtnetz auf das Internet zuzugreifen ist ein Proxy. Dieser akzeptiert natürlich nur Port 80. Alle anderen Verbindungen (SMTP, IMAP, POP, SSH, FTP, HTTPS, DNS, …) sind gesperrt. Gerade bei https-Verbindungen ist dies besonders kritisch. Es ist nicht möglich aus dem Schulnetz heraus direkt verschlüsselt auf Websiten zuzugreifen! Es gibt nur die Möglichkeit eine https Verbindung über einen nicht näher spezifizierten Proxy aufzubauen, dessen Vertraulichkeit man nicht kennt.
Lösungen
Viele dieser Probleme könnte man einfach lösen würde der bürokratische Apparat Schule nicht jede Menge Steine in den Weg werfen:
Hardware
Das wahrscheinlich am schwersten zu lösende Problem sind die veralteten Computer. Hardware kostet Geld, daran führt leider kaum ein Weg vorbei. Besonders dann, wenn man Computer anschaffen möchte, die nicht bereits zu dem Zeitpunkt veraltet sind. Eine gute Möglichkeit wäre hier direkt mit Firmen zu kooperieren. Nicht selten kommt es vor, dass Firmen gute Hardware aussortieren sobald sie abgeschrieben ist. Gerade Firmen die Workstations mit hoher Performance brauchen sortieren auch mal einen alten Quadcore Computer aus, den es dann für wenig Geld zu kaufen gibt. Diese gebrauchte Hardware wäre deutlich besser als die meisten Computer, die heute in den Schulen stehen (eine Pentium IV Maschine ist hier üblicherweise schon wirklich toll).
Software
Anstelle auf Windows Systeme zu setzen wäre es sehr viel besser auf Linux basierte Systeme zu setzen. Linux hat in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht, was die Usability betrifft. Moderne Systeme wie z.B. Ubuntu kann man einfach via Graphischer Oberfläche bedienen. Alle Schulrelevanten Programme (Office-Software, Webbrowser, Programmierung, etc) gibt es in komfortablen Versionen auch für Linux. Und wie das Betriebssystem kosten auch sie kein Geld.
Neben den quasi nicht vorhandenen Kosten haben Linux basierte Systeme noch den Vorteil, dass sie ohne komplizierte Antivieren Software auskommen – eine der großen Performance Bremsen auf Windows Systemen. Wenn man auf Computer Sicherheit bedacht ist, dann ist Linux eine gute Wahl.
Netzwerk
Um jedem Schüler (und Lehrer) ein komfortables Arbeiten am Computer zu ermöglichen, sollte jeder einen eigenen Benutzeraccount haben. Technisch ist das sehr einfach zu realisieren. Neben den Client Computern, an denen man arbeitet, braucht man noch einen Server. Alle Benutzer werden dann zentral auf diesem Server gespeichert und von diesem verwaltet. Jeder Benutzer bekommt eine Menge von Speicher zugeordnet, den er frei benutzen kann. Der Benutzer kann sich dann an jedem Computer in der Schule anmelden und auf seine Daten zugreifen.
Das Client-Server basierte Modell hat den großen Vorteil, dass alle Daten zentral verwaltet werden. Der Administrator muss eventuelle Updates nicht auf jeden Computer manuell einspielen, sondern kann dies zentral erledigen. Das spart Zeit und Geld. Dazu kommt noch die Möglichkeit einfach und effektiv Backups anzulegen.
Administration
Die Administration sollte durch entsprechende Fachkräfte stattfinden. Da sich nicht jede Schule eine komplette Stelle für eine solche Fachkraft leisten kann und meistens auch keine volle Stelle pro Schule nötig ist, kann man mehreren Schulen eine Stelle zuordnen. Ein Administrator könnte ca. 3-5 Schulen betreuen, abhängig von deren Größe. Auf diese Art könnte man die Kosten reduzieren und gleichzeitig die Qualität verbessern.
Sinnvollerweise sollten diese Schulen auch räumlich nahe zusammenliegen, damit man schnell von einer Schule zur anderen kommt. Der Administrator sollte in einer der Schulen ein festes Büro haben und zu festen Zeiten vor Ort in den einzelnen Schulen eine Sprechstunde habe. Den Großteil der Zeit kann er so auf die einzelnen Schulen aufteilen, wie der aktuelle Bedarf ist.
Fazit
Es ist noch viel zu tun, bis unsere Schulen auf dem aktuellen Stand der Technik angekommen sind und auch die Schulämter einsehen, dass es so nicht weitergehen kann. Bis dahin kann man versuchen das Thema an der eigenen Schule anzusprechen um wenigstens lokal eine Verbesserung zu erreichen.
Schüler und Lehrer kennen das Problem. Immer wieder kommt es vor, dass man Computer im Unterricht einsetzen möchte, aber dann scheitert es an der schlechten Ausstattung der Schule.
veraltete Hard-und Software
Oft sind Schulen nur begrenzt mit Computern ausgestattet und auch die sind meist veraltet. Computer die älter sind als 5 Jahre sind keine Seltenheit. Und ...