Sparangebot für Schulen – oder auch “wie ziehe ich meinem Kunden Geld aus der Tasche”

Man hört ja immer wieder, dass Windows Lizenzen Geld kosten. Man hört auch, dass Schulen meistens kein Geld für Investitionen in ihre IT haben. Glücklicherweise haben sich ein paar schlaue Menschen zusammengesetzt und in einem Rahmenvertrag ein Sparmodel erarbeitet, damit Schulen beim Kauf von Windows Lizenzen Geld sparen. Das sieht dann so aus:

Wenn ich normale Win 8 Pro Lizenzen kaufe (Win 7 Pro Downgrade inklusive) liege ich bei ca. 90€ pro Platz. Bei 40 Plätzen wären das dann 3600€. Einmalig. Ist nicht gerade billig.

Aber glücklicherweise gibt es ja ein Sparangebot!

Ein Rahmenvertrag mit Microsoft mit einem gewissen Institut über die die Schulen hier die Lizenzen beziehen können sieht vor, dass teilnehmende Schulen vergünstigte Lizenzen bekommen. Klingt super.
Eine Lizenz für Win7 Pro kostet dann pro Platz nur noch 50€, also knapp die Hälfte. Pro Jahr. Dafür kann man auf das jeweils aktuelle System updaten, ohne das neue System komplett bezahlen zu müssen. Allerdings kann ich wenn ich 40 Computer habe nicht sagen, ich brauche 40 Lizenzen. Nein, ich muss für fast doppelt so viele Plätze zahlen, da sich die Platzanzahl nicht nach den eigentlichen Installationen richtet, sondern nach einem seltsamen Schlüssel, der die Anzahl der unterrichtenden Lehrer und der in der Schulverwaltung Angestellten als Basis nimmt. Würde dann etwa 3500€ machen. Pro Jahr. Und selbstverständlich ist eine Lizenz nicht übertragbar und darf nicht weiterverkauft werden.
Achja, und das gilt nur, wenn man bereits eine andere Windows Lizenz gekauft hat. Sonst muss man pro Lizenz nochmal eine einmalige Gebühr bezahlen, die einen dann zur Nutzung des Spaarabos berechtigt. Wären in diesem Fall dann nochmal etwa 800€ (einmalig).

Nehmen wir an, dass die 40 Lizenzen vier Jahre lang betrieben werden. Wir kämen dann bei dem Sparmodel auf 14.000€ für die vier Jahre. Bei Lizenzen aus dem Supermarkt zahlen wir in den vier Jahren teure 3600€.

Kann man sich auch so vorstellen, als müsste ich mit einen 1er BMW kaufen, um dann einen 3er BMW mieten zu können, wobei die Jahresmiete dem halben Neupreis des 3er BMWs entspricht. Und natürlich muss ich auch gleich noch einen BMW für meine Frau, meine beiden Kinder (2 und 4 Jahre alt) und meine Schwiegermutter (92, blind und taub, unaustehliche Schreckschraube) dazu mieten (nicht zu vergessen die 1er BMWs die ich vorher noch kaufen muss!). Und selbstverständlich darf ich die Autos nicht weiterverkaufen, da diese explodieren, wenn ein nicht autorisierter Fahrer versucht diese zu starten.

Natürlich könnte das Sparmodel dann günstiger werden, wenn ich sehr viele Lizenzen brauche. Denn dann zahle ich ja trotzdem nur 72 mal den Grundbetrag und nicht pro Installation. Rechnen wir das einmal hoch. Ich gehe für die Rechnung von folgenden Parametern aus (persönlicher Erfahrungswert):

  1. Auf je 15 Schüler kommt ein Lehrer
  2. Auf je 100 Schüler kommt ein weiterer Verwaltungsangestellter (Sekretärin, Hausmeister, Schulpsyschologe, …)
  3. auf je 10 Schüler kommt ein Schul-PC
  4. Pro Supermarkt Lizenz 90€ bzw. 50€ beim Sparmodel

Dann kommt man darauf, dass bei einer erwarteten Laufzeit von 4 Jahren das Sparangebot in jedem Fall mindestens doppelt so teuer ist, wie der “Supermarktpreis”.  Hat man eine heterogene Umgebung, bei der ein Teil der PCs unter Linux o.ä. lauft, dann geht die Differenz noch viel weiter auseinander. In dem o.g. Beispiel sind das immerhin 3600€ zu 14.000€. Das macht eine Differenz von 10.400€!

Rechnet man weiter und berücksichtigt Updates des Betriebssystems, dann sieht die Situation wie folgt aus: Im Schnitt gibt es alle 2-3 Jahre ein neues Windows System. Wenn man annimt, dass das neue System im Supermarkt genau so viel kostet wie das vorherige (immer 90€ ) und man alle zwei Jahre das System erneuert, dann liegen die Kosten des Sparmodels und dem einfachen Kaufen der Lizenzen im Supermarkt etwa auf dem gleichen Level (das Sparmodell ist immer noch 10% teurer).
Nun ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass eine Schule immer sofort nach dem Erscheinen eines neuen Betriebssystems aktualisiert. Gründe hierfür sind manigfaltig: Inkompatibilität mit verwendeter Software, unzureichende Hardware für ein neues System, Gewohnheit, Kinderkrankheiten eines neuen Systems, …). Wenn man diesen Faktor mit betrachtet, dann wird praktisch keine Schule die Möglichkeit der regelmäßigen, “kostenfreien” Updates in Anspruch nehmen.

Wenn man all dies betrachtet, dann ist das “Sparangebot” eine reine Abzocke.